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Presseinformation 069/2010

Leicht und fest auch ohne Computer

Methode der Kraftkegel erzeugt formoptimierte Bauteile zeichnerisch
Mit der Kraftkegelmethode gefundene Form. (Bild: KIT)
Mit der Kraftkegelmethode gefundene Form. (Bild: KIT)

Im Karlsruher Institut für Technologie wurde eine neue Methode zur Formfindung und Optimierung technischer Bauteile mit Blick auf Leichtbau und Festigkeit entwickelt, die ohne Computer und Formeln auskommt: Die Methode der Kraftkegel gibt der Wirtschaft ein rein graphisches Werkzeug zur Designfindung an die Hand, das vom Großkonzern bis zum Handwerk oder zum naturwissenschaftlichen Unterricht für jedermann machbar ist, ohne dass teure Softwarelizenzen gekauft werden müssten.

„Bereits in den 90er Jahren haben wir mit der Soft Kill Option SKO eine Methode entwickelt, um Bauteile leicht und gleichzeitig fest zu machen“, erläutert Professor Dr. Claus Mattheck, Leiter der Abteilung Biomechanik im Institut für Materialforschung II des Karlsruher Instituts für Technologie. „Vorbild waren die Fresszellen, die überflüssige Bereiche der Knochen wegknabbern: Nichttragende Teile wurden eliminiert, übrig blieb, wie in der Natur, nur das eigentlich tragende Gerüst.“

Die zugehörige Soft Kill Option wird seither in vielen Varianten in der Industrie eingesetzt. Neben entsprechender Software benötigt sie hohe Rechenleistungen. Diese Methode soll nun durch ein computerfreies Denkwerkzeug, die "Methode der Kraftkegel", ersetzt werden.

Vorgehensweise bei der Formfindung mit der Kraftkegelmethode. (Bild: KIT)

Vorgehensweise bei der Formfindung mit der Kraftkegelmethode. (Bild: KIT)

 

„Die grundlegende Idee ist, dass im elastischen Raum vor jeder Kraft ein 90-Grad-Druckkegel hergeschoben wird und hinter ihr ein Zugkegel hergezogen wird“, beschreibt Mattheck seine neue Methode. „Eingabedaten sind lediglich die Belastung und die Einspannungen der künftigen Komponente, die sich aus ihrer Funktion ergeben.“

Bei der Konstruktion mit der Methode der Kraftkegel beginnt der Anwender damit, die Druck- und Zugkegel einzuzeichnen. An Stellen, wo sich Zug- und Druckstrahlen dieser Kegel rechtwinklig schneiden, meist an den Kegelrändern, werden so genannte Primärpunkte markiert. Das sind favorisierte Anbindungen für Druckstreben und Zugseile, aus denen das Bauteil sich schlussendlich zusammensetzt.

Die zeichnerische Darstellung mit Seilen und Stützen macht auch dem Laien ohne mechanische Kenntnisse die Kraftflussverhältnisse deutlich, was das Denkwerkzeug auch für die Lehre und formelscheue Designer interessant macht.

Vergleichsrechnungen der Abteilung Biomechanik mit der überkommenen SKO-Methode lieferten in allen Fällen eine beein¬druckende Übereinstimmung mit den graphischen Ergebnissen der Methode der Kraftkegel.

 

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 100 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

jh, 09.06.2010

Weiterer Pressekontakt:

Inge Arnold
Presse, Kommunikation und Marketing (PKM)
Tel.: +49 721 608-22861
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