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Presseinformation 034/2009

Die Promotion in bewährter Qualität sichern

Gemeinsame Erklärung von Organisationen der Natur- und Ingenieurwissenschaften

Zur Frage der Rolle und des Stellenwertes der Promotion im Rahmen des Bologna-Prozesses haben die unten genannten Organisationen als Vertreter der Natur- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland eine gemeinsame Erklärung verfasst. Die Universität Karlsruhe (TH) ist Mitglied von TU9, dem Verband der neun führenden technischen Universitäten in Deutschland und unterstützt die Forderung.

Gemeinsame Erklärung

der Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP),

der Konferenz der Fachbereiche Chemie (KFC),

des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultätentags (MNFT),

der Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten (4ING),

der TU9 – German Institutes of Technology,

der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech),

der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV),

der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh),

der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG)

und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG)

zur Bedeutung der Promotion in den Natur- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland

22. April 2009

Am 28. und 29. April 2009 kommen in Leuven / Louvain-la-Neuve die für die Hochschulbildung verantwortlichen Ministerinnen und Minister der 46 Bologna-Staaten zusammen, um den bisherigen Stand des Bologna-Prozesses zu bewerten und die Fortsetzung des Prozesses über das Jahr 2010 hinaus zu diskutieren („Bologna 2020“).

Das Ziel der Erklärung von Bologna (1999), einen gemeinsamen Europäischen Hochschulraum und ein „Europa des Wissens“ zu schaffen, bewerten die unterzeichnenden Organisationen als die Vertreter der Natur- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland positiv. Sie erhoffen sich von der zweiten Dekade des Bologna-Prozesses weitere Fortschritte auf diesem Weg.

Seit der Berlin-Konferenz 2003 wird die Promotion in den Bologna-Communiqués als „dritter Zyklus“ der akademischen Bildung bezeichnet. Diese Einordnung haben die Natur- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland mit Sorge betrachtet und wiederholt darauf hingewiesen, dass in Deutschland und speziell in den Natur- und Ingenieurwissenschaften die Promotion nicht als dritter Zyklus der Hochschulausbildung, sondern als erste Phase eigenständiger wissenschaftlicher Berufstätigkeit verstanden wird.

Die Natur- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland sind erfreut, dass sich Bundesministerin Prof. Dr. Annette Schavan und die weiteren deutschen Akteure im Bologna-Prozess diese Position zueigen gemacht und sie seit der London-Konferenz 2007 in Europa vertreten haben – zuletzt im Nationalen Bericht über die Umsetzung der Bologna-Ziele vom 1. November 2008.

Die berufsqualifizierenden Kenntnisse und Fähigkeiten werden in den Natur- und Ingenieurwissenschaften im Rahmen von Diplom- bzw. Bachelor-/Masterstudiengängen erworben. Die Promotion stellt darauf aufbauend eine zusätzliche wissenschaftliche Qualifikation im Bereich der Forschung dar. In der Tat wird ein großer Teil der Forschungsleistungen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland von Promovierenden erbracht. Jede Promotion erschließt wissenschaftliches Neuland, ihre Besonderheit liegt in der Eigenverantwortung und Selbständigkeit der Arbeit. An deutschen Universitäten promovierte Naturwissenschaftler und Ingenieure zeichnen sich im internationalen Wettbewerb durch diese Selbständigkeit und ihre fachlichen und außerfachlichen Fähigkeiten aus.

Europa muss sich im internationalen Wettbewerb um Forschungsergebnisse bewähren. Alle Maßnahmen zur Veränderung der Promotion müssen sich daran messen lassen, inwieweit sie dazu beitragen, die Qualität der Nachwuchswissenschaftler und damit auch die Forschungsleistung in Europa weiter zu erhöhen. Die Qualität, Attraktivität und das internationale Ansehen einer Promotion in den Natur- und Ingenieurwissenschaften an deutschen Universitäten müssen auf dem höchsten Stand gehalten werden – als spezifischer Beitrag zur Leistungsfähigkeit des Europäischen Hochschul- und Forschungsraums.

Die Natur- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland bestärken daher die deutschen Vertreter im Bologna-Prozess, ihre bewährten Qualitätsstandards und ihr Selbstverständnis der Promotion weiterhin nachdrücklich zu vertreten. Sie ermutigen alle europäischen Entscheidungsträger, sich für die Vielfalt der Wege zur Verleihung des Doktorgrades in Europa stark zu machen und für den Europäischen Hochschulraum hohe Standards bei der Qualität der Promotion anzustreben.

Die Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) ist die Vereinigung der 59 Physik-Fachbereiche und -Fakultäten der deutschen Universitäten. Website

Die Konferenz der Fachbereiche Chemie (KFC) ist die Vereinigung der 56 Chemie-Fachbereiche und -Fakultäten der deutschen Universitäten. Website

Der Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultätentag (MNFT) ist die Vertretung aller mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten / Fachbereiche mit den Fächern Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Mathematik, Physik und Pharmazie (assoziiert) an staatlichen deutschen Universitäten. Ihm gehören zur Zeit Fakultäten und Fachbereiche aus über 60 Universitäten an. Website

Die Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten (4ING) sind ein Dachverein, der 130 Fakultäten, Fachbereiche und Abteilungen an Universitäten, Technischen Universitäten und Hochschulen in Deutschland vertritt. Diese stellen mehr als 90% des universitären Studienangebotes bereit in den Fächern Bauingenieurwesen, Geodäsie, Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Informationstechnik sowie Informatik. Website

TU9 – German Institutes of Technology ist der Verband der neun führenden Technischen Universitäten in Deutschland: RWTH Aachen, TU Berlin, TU Braunschweig, TU Darmstadt, TU Dresden, Leibniz Universität Hannover, Universität Karlsruhe (TH), TU München, Universität Stuttgart. Website

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) vertritt die Interessen der deutschen Technikwissenschaften im In- und Ausland in selbstbestimmter, unabhängiger und gemeinwohlorientierter Weise. Sie berät Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen. Darüber hinaus hat es sich acatech zum Ziel gesetzt, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen und den technikwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Website

Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV) ist ein Interessenverband von rund 5.000 Mathematikerinnen und Mathematikern aus den verschiedensten Berufszweigen: vom Abiturienten bis zum Pro-fessor, vom Realschullehrer bis zum Industriemathematiker, vom Unternehmensberater bis zum Pensionär. Die DMV publiziert neben zwei wissenschaftlichen Zeitschriften vierteljährlich die „Mitteilungen der DMV“ sowie ein Portal. Website

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist die größte chemiewissenschaftliche Fachgesellschaft Kontinentaleuropas mit Mitgliedern aus Hochschule, Industrie, Behörden und freier Tätigkeit. Sie fördert die chemischen und molekularen Wissenschaften in Lehre, Forschung und Anwendung und engagiert sich für Verständnis und Wissen von Chemie und chemischen Zusammenhängen in der Öffentlichkeit. Website

Die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) ist eine gemeinnützige, wissenschaftlich-technische Gesellschaft mit mehr als 1.500 Mitgliedern. Ziel der DBG ist die Förderung der gesamten Physikalischen Chemie durch die Publikation von Forschungsergebnissen, die Organisation wissenschaftlicher Tagungen und Kolloquien und die Förderung herausragender Wissenschaftler und junger Physikochemiker. Webseite

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V. (DPG) ist die älteste und mit mehr als 56.000 Mitgliedern die größte physikalische Fachgesellschaft weltweit. Die DPG fördert den Erfahrungsaustausch innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und möchte darüber hinaus allen Neugierigen ein Fenster zur Physik öffnen. Website

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

lg, 22.04.2009

Weiterer Pressekontakt:

Monika Landgraf
Pressestelle
Tel.: +49 721 608-8126
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