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Wohnen wie der Pfalzgraf

Heidelberger Schloss als Computersimulation neu errichtet – Die bekannteste Schlossruine der Welt virtuell in alter Wehrhaftigkeit erleben
Prächtige Residenz: Rekonstruktion des Heidelberger Schlosses um 1683 (Bild: KIT)
Prächtige Residenz: Rekonstruktion des Heidelberger Schlosses um 1683 (Bild: KIT)
Kapellenerker im Bibliotheksbau (Bild: KIT)
Kapellenerker im Bibliotheksbau (Bild: KIT)
Der gewaltige Schlosskomplex nimmt drei Gigabyte Speicherplatz ein (Bild: KIT)
Der gewaltige Schlosskomplex nimmt drei Gigabyte Speicherplatz ein (Bild: KIT)
Blick in den Schlosshof um 1683 (Bild: KIT)
Blick in den Schlosshof um 1683 (Bild: KIT)

Blitzeinschläge, Brände, Kriege – am Heidelberger Schloss hat über die Jahrhunderte nicht nur der Zahn der Zeit genagt. Heute gilt es nicht nur als eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke nördlich der Alpen, es ist mit 1,1 Millionen Besuchern aus aller Welt jährlich auch eines der beliebtesten Ziele für Touristen in Deutschland. Jetzt hat ein Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) die Burg in ihrer einstigen Gestalt wiedererstehen lassen – als dreidimensionale virtuelle Rekonstruktion.

Wo nunmehr leere Fensterhöhlen auf das malerische Neckartal blicken und mit Efeu überwucherte Mauerreste wie Klippen schroff in den Himmel ragen, kann der Besucher in der Simulation von Julian Hanschke vom Institut für Kunst- und Baugeschichte am KIT den einst wuchtigen, dann zur Hälfte weggesprengten Dicken Turm besteigen, unter den Kreuzgratgewölben des Kaisersaals im Ottheinrichbau umherspazieren, den Figurenschmuck an der Fassade des an einen venezianischen Palazzo erinnernden Friedrichsbau betrachten oder den 360-Grad-Blick durch den Schlosshof im Jahre 1683 schweifen lassen.

Für seine Rekonstruktion musste der Architekturhistoriker anhand historischer Pläne, Ansichten und Zeichnungen jedes Detail nachmodellieren. „Es ist nicht so, dass man ein paar Bilder einscannt und der Rechner den Rest erledigt“, erklärt Hanschke. Zwar ähnelt sich die Arbeitsweise der Erbauer imaginärer Spielwelten und des Architekturhistorikers damit in gewisser Weise. Allerdings sei seine Rekonstruktion keine Fantasiewelt, sondern ein wissenschaftlich akkurater Nachbau, der bis in die kleinste Einzelheit auf historischen Quellen fuße, betont Hanschke.

Bei der digitalen Rekonstruktion fielen gewaltige Datenmengen an: Der sich in der Realität über 270 mal 280 Meter ausdehnende Gebäudekomplex nimmt auf der Festplatte rund drei Gigabyte Speicherplatz ein. Die Computersimulationen unterfüterte Hanschke mit einer rund 500 Seiten starken Publikation, die auch seine Habilitationsschrift darstellt. Der reich bebilderte Band enthält neben den suggestiven Schlossansichten viele Fotos und historische Ansichten sowie eine an den Quellen ausgerichtete, erschöpfend recherchierte Schlossgeschichte. 

Mehr: Presseinformation 007/2017

Weitere Ansichten der Rekonstruktion und Infos im Film der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg:



mex, 25.01.2017