Karlsruher Institut für Technologie

Presseinformation 166/2011

Neue Großanlage für die Unwetterforschung

KIT nimmt KITcube in Betrieb
KITcube, ein mobiles High-Tech-Messfeld zur detaillierten Untersuchung von atmo-sphärischen Vorgängen.
KITcube, ein mobiles High-Tech-Messfeld zur detaillierten Untersuchung von atmosphärischen Vorgängen. (Foto: IMK)

Das modernste Messfeld Europas für die Atmosphärenforschung nimmt am 15. November in Hatzenbühl/Pfalz seinen Betrieb auf: Neuartige und bewährte Messgeräte können auch atmosphärische Extremsituationen wie Gewitter,  Starkregen oder Winterstürme direkt verfolgen. Durch die Ergebnisse werden Wettervorhersagen und Klimamodelle verbessert. Vertreter der Medien sind zur Einweihung des KITcube am 15.11.2011 ab 11.00 Uhr herzlich eingeladen.

Mit KITcube wird die Atmosphäre in einem Würfel (engl. cube) von 10 Kilometern Kantenlänge vollständig und hochaufgelöst vermessen. Hohe Messmasten von 30 Meter Höhe, Radar, Lidar (eine Art Radar mit Licht), Messgeräte für atmosphärische Turbulenz und alle relevanten meteorologischen Parameter sind in KITcube integriert. „Mit  Unterstützung der Helmholtz-Gemeinschaft und aus KIT-Mitteln entstand so das modernste und umfangreichste Gesamtmesssystem für die Atmosphäre in ganz Europa“, freut sich Professor Dr. Christoph Kottmeier, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des Karlsruher Instituts für Technologie.

KITcube ist aber mehr als die Zusammenstellung verschiedener Messgeräte. „Erstmals werden alle Geräte von einem zentralen Computer gesteuert und die Messungen kontinuierlich ausgewertet“, betont Dr. Norbert Kalthoff, Projektkoordinator aus dem IMK. „Damit können wir beispielsweise herannahende Gewitter auf ihrem Weg verfolgen.“ Die Daten sind vielfältig und fallen in großen Mengen an: Strahlung, Wind, Turbulenz, atmosphärische Zusammensetzung, Druck, Temperatur und Aerosole werden gemessen. Vor allem auf bisher vernachlässigte Parameter wie die Zusammensetzung und Bewegung kleinster Partikel (Staub, Pollen oder Ruß) oder von Wolken- und Regentropfen legen die Wissenschaftler großen Wert.

Für die Entwicklung der anspruchsvollen Steuer- und Auswerteprogramme erhielt das IMK Unterstützung vom Institut für Prozessdatenverarbeitung und Elektronik (IPE) des KIT. Durch die Software werden die komplexen Messgeräte unterschiedlicher Hersteller in die Messabläufe integriert und die großen Datenmengen verarbeitet. „Atmosphärenforschung ist längst eine High-Tech-Forschung“, stellt Professor Dr. Marc Weber, Leiter des IPE, fest. „Der Messaufwand ist enorm, wenn man die Vorgänge nicht nur beobachten, sondern auch verstehen will.“

Mit KITcube werden auch die Vorgänge genauer untersucht, die durch die Maschen aller anderen Beobachtungsnetze fallen. Hierzu zählen sogenannte konvektive Systeme, beispielsweise Schauer und Gewitter mit all ihren gefährlichen Begleiterscheinungen wie Fallwinden, Scherungszonen, Böenwalzen, Starkniederschlägen und Hagel. Auch die Windfelder bei Winterstürmen wie „Lothar“ und „Kyrill“ stehen im Fokus. „Nicht die mittlere Windgeschwindigkeit verursacht die Schäden, sondern die eingelagerten Böen“, erläutert Christoph Kottmeier „Und genau deren Stärke lässt sich bisher nicht vorhersagen, weil wir nicht einmal genau wissen, wie sie entstehen“.

Die Montage auf LKW-Brücken und in Standard-Containern erlaubt es, KITcube leicht zu transportieren. Die Anlage wird zurzeit erstmals komplett in Hatzenbühl (Landkreis Germersheim/Pfalz) erprobt, bevor sie 2012 nach Korsika gebracht wird. Dort wird der KITcube ein Jahr lang in einem internationalen Großprojekt (HyMeX) zur Untersuchung des Wasserkreislaufs im westlichen Mittelmeerraum eingesetzt. Anfragen zu Einsätzen von KITcube in anderen Ländern im Rahmen unterschiedlicher Kampagnen zur Atmosphärenforschung gibt es schon heute so viele, dass das IMK nicht allen nachkommen kann.

 

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 24 400 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der deutschen Exzellenzuniversitäten.

jh, 09.11.2011
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