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Presseinformation 109/2010

Ein Preis aus der Hand des Königs

Carl Gustaf von Schweden überreicht KIT-Wissenschaftler Hans Joachim Blaß den Marcus-Wallenberg-Preis 2010
Carl Gustaf von Schweden überreicht KIT-Wissenschaftler Professor Hans Joachim Blaß  den Marcus-Wallenberg-Preis 2010. (Foto: The Marcus Wallenberg Foundation)
Carl Gustaf von Schweden überreicht KIT-Wissenschaftler Professor Hans Joachim Blaß den Marcus-Wallenberg-Preis 2010. (Foto: The Marcus Wallenberg Foundation)

Professor Dr.-Ing. Hans Joachim Blaß vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erhielt am 27. September 2010 in Stockholm aus der Hand des schwedischen Königs Carl Gustaf den Marcus-Wallenberg-Preis 2010. Der mit zwei Millionen Schwedischen Kronen (rund 200 000 Euro) dotierte Preis wird jährlich von der Marcus-Wallenberg-Stiftung verliehen. Professor Blaß erhält die Auszeichnung für seine bahnbrechende Arbeit auf dem Gebiet innovativer und zuverlässiger Holzverbindungen mit hoher Kraftübertragungsfähigkeit, die auf Baustellen und in industriellen Prozessen effizient eingesetzt werden können.

Als Baumaterial bietet Holz mehrere wichtige Umweltvorteile. Es ist erneuerbar, es speichert Kohlenstoff, der aus Kohlendioxid in der Atmosphäre sequestriert worden ist, es bietet ausgezeichnete Wiederverwendungsmöglichkeiten und es dient, wenn es recycelt wird, als kohlendioxidneutrale Energiequelle.


Die Wettbewerbsfähigkeit von Holz als Baumaterial hängt von den Eigenschaften der Holzkomponenten selbst, aber auch in hohem Maße von den Verbindungen zwischen den Komponenten ab. Bei Holzkonstruktionen ist die Fähigkeit von Verbindungen, Kräfte zu übertragen, im Allgemeinen ein Begrenzungsfaktor. Die anisotrope Natur von Holz – mit erheblich schwächeren mechanischen Eigenschaften quer zur Faser als in Faserrichtung – erschwert die Auslegung und Modellierung der Kraftübertragungsfähigkeit von Verbindungen. Dies beschränkte bisher die Verwendung von Holz im Allgemeinen und insbesondere für größere Bauten wie Brücken, große Kaufhäuser, Sportarenen, landwirtschaftliche Gebäude, Industriegebäude und Aufsehen erregende öffentliche Gebäude.

Professor Blaß hat durch umfassende Forschung fundamentales Konstruktionswissen über Holzverbindungen geliefert und dieses Wissen auf der Grundlage mechanischer Prinzipien in ein brauchbares Format für praktizierende Ingenieure umgewandelt. Er hat auch Methoden für die Konstruktion und Berechnung von Verbindern und Verbindungen entwickelt und eine wichtige Rolle bei der internationalen Standardisierung dieser Methoden gespielt.

Professor Blaß hat den Weg für die Verwendung selbstbohrender Schrauben in Holzkonstruktionen bereitet, indem er die Herstellung sehr großer Schraubenabmessungen vorangebracht und diese Verbindungen für Hochbelastungsanwendungen entwickelt und eingeführt hat. Diese Arbeit hat neben neuen Möglichkeiten bei der Errichtung von Holzkonstruktionen auch zu stark vereinfachten Methoden für die Reparatur beschädigter Holzträger und zur Verstärkung neuer Holzträger geführt.

Durch die Entwicklung und Einführung effizienter Verbindungen, die leicht zu installieren sind, ist es möglich geworden, große Holzkonstruktionen zu bauen und Holzmaterial zu sparen. Dies bietet auch attraktive Logistiklösungen durch die Verwendung von Fertigteilen.

Die von Professor Blaß realisierten Entwicklungen sind von Bedeutung für die zunehmende Verwendung größerer Holzbauelemente wie Brettschichtholz, das in Europa inzwischen mehr als viermal häufiger verwendet wird als noch Mitte der 1990er Jahre. Sie haben auch im Wohnungsneubau zu einer signifikanten Zunahme des Holzrahmen-Marktanteils geführt, der sich beispielsweise im Vereinigten Königreich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt hat.

Professor Dr.-Ing. Hans Joachim Blaß

Professor Blaß, Jahrgang 1955, promovierte 1987 an der Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen der Universität Karlsruhe. Nach Anstellungen bei der Universität Karlsruhe, dem kanadischen Unternehmen Forintek Canada Corp. und TNO Building Research im niederländischen Delft wurde er zum Professor für Holzkonstruktionen an der Technischen Universität Delft ernannt. Seit 1995 ist er Professor für Holzbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das durch einen Zusammenschluss des Forschungszentrums Karlsruhe und der Universität Karlsruhe am 1. Oktober 2009 gegründet wurde und leitet dort die Versuchsanstalt für Stahl, Holz und Steine. Neben seiner akademischen Laufbahn ist Professor Blaß aktiv an der Standardisierungsarbeit von Holzkonstruktionen sowie am Wissenstransfer im Bereich schwieriger Holzkonstruktionen innerhalb und außerhalb Europas beteiligt. Professor Blaß ist Partner des Karlsruher Ingenieurbüros Blaß & Eberhart.


Der Marcus-Wallenberg-Preis

Der Marcus-Wallenberg-Preis ist ein internationaler Preis, der 1980 zum Gedenken an Marcus Wallenberg, den verstorbenen Vorstandsvorsitzenden von Stora Kopparbergs Bergslags AB (jetzt Stora Enso), und in Anerkennung von dessen Lebenswerk eingeführt wurde. Alljährlich würdigt der Preis einen einzelnen Forschungsdurchbruch eines Wissenschaftlers oder einer kleinen Gruppe kooperierender Wissenschaftler. Nach Meinung des Auswahlkomitees und des Vorstands der Stiftung wird der ausgewählte Durchbruch signifikante Auswirkungen auf die Industrie haben. Indem der Gewinner honoriert wird, soll der Preis auch die weitere weltweite Forschung ankurbeln. In diesem Jahr wurde der Preis zum 27. Mal verliehen. Das Preisgeld beträgt zwei Millionen SEK.

 

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 100 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

jh, 28.09.2010

Weiterer Pressekontakt:

Inge Arnold
Presse, Kommunikation und Marketing (PKM)
Tel.: +49 721 608-22861
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