Karlsruher Institut für Technologie

Corona in den Medien: Wissenschaftliche Expertise überraschend hoch

Studie des KIT untersucht, wie es um die Expertenauswahl in deutschen Qualitätsmedien in der Covid-19-Pandemie bestellt ist
Corona in den Medien: Wissenschaftliche Expertise überraschend hoch
Wenn’s drauf ankommt, sind sie da: In der Corona-Krise sind Top-Fachleute auch für die Medien erste Wahl. (Foto: Adobe Stock)

Seit Beginn der Corona-Krise ist der Bedarf an fundiertem Wissen enorm. In den Medien sind biomedizinische Expertinnen und Experten deshalb so prominent vertreten wie nie. Das wirft die Frage auf, über welche fachliche Expertise sie eigentlich verfügen. Die überraschende Antwort: Anders als in früheren wissenschaftsnahen Debatten sind die führenden Köpfe der jeweiligen Fachdisziplinen öffentlich präsent. Für eine als Pre-Print auf SocArXiv veröffentlichte Studie hat ein Forschungsteam des KIT die Auswahl von Fachleuten in den Medien im ersten Halbjahr 2020 untersucht.

Basis war eine geschichtete Zufallsauswahl aus 45 000 Artikeln, die von der Süddeutschen Zeitung, der Welt, dem Spiegel und der Deutschen Presseagentur verbreitet worden waren. In den daraus ausgewählten 1 800 Artikeln, die sich mit COVID-19 beschäftigten, kamen 126 biowissenschaftliche und medizinische Fachleute zu Wort. Deren bibliometrische Profile glich die Arbeitsgruppe vom Department für Wissenschaftskommunikation des KIT mit den Profilen der knapp 35 000 Studien ab, die seit 1999 zur Virologie beziehungsweise Epidemiologie von Infektionserkrankungen veröffentlicht worden waren.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die mediale Öffentlichkeit die Bewertungen und Handlungsempfehlungen einer Gruppe von Expertinnen und Experten zu lesen bekam, die über eine weit höhere Expertise verfügt als der Durchschnitt aller in den jeweiligen Fachgebieten tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, sagt Co-Autor Markus Lehmkuhl vom KIT. Bisher galt die Annahme, dass fachliche Expertise für die öffentliche Präsenz von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern keine nennenswerte Rolle spielt.

 

jha, 23.03.2021