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Dezentrale „Kassenbücher“ einfacher einsetzen

Helmholtz-Gemeinschaft fördert Forschergruppe am KIT, die für Nutzer Werkzeuge zum Einsatz von „Distributed Ledger Technology“ entwickelt

Die Helmholtz-Gemeinschaft und die Russian Science Foundation fördern gemeinsam die Arbeit eines Teams des KIT und der russischen National Research University Higher School of Economics. Aus dem deutsch-russischen Förderprogramm Helmholtz-RSF Joint Research Groups erhält das Team am KIT für eine Laufzeit von drei Jahren eine Förderung von jährlich circa 130 000 Euro, um Softwaretechnologien für die transparente und dezentrale Dokumentation von Transaktionen etwa in Logistik, Finanz- und Gesundheitswesen zu unterstützen.
 

Die Bitcoin Blockchain ist der bekannteste Vertreter der Technologie der verteilten Kassenbücher, auch Distributed Ledger Technology (DLT) genannt. Diese Softwaretechnologie ermöglicht es, Transaktionen verschiedenster Art für alle Nutzerinnen und Nutzer transparent und fälschungssicher zu dokumentieren, indem dezentral beliebig viele Kopien des Kassenbuches parallel geführt werden. Die unterschiedlichen Anforderungen der Anwendungen in Logistik, Finanz- und Gesundheitswesen an die DLT – etwa an Konsistenz, Geschwindigkeit, Sicherheit und Verfügbarkeit – hat eine unübersichtliche Menge an DLT-Varianten hervorgebracht, die sich darin unterscheiden, wie übergreifender Konsens erreicht wird, wann und wie neue Einträge in die Kopien aufgenommen werden. Um die Auswahl einer passenden DLT-Variante zu unterstützen, wird nun im Rahmen des Projekts „COOLedger – A COnfiguration toOL for Distributed Ledgers“ ein Modell entwickelt, welches für Nutzer die Abhängigkeiten zwischen den DLT-Eigenschaften identifiziert und verständlich darstellt. Dies ist insbesondere wichtig, weil die DLT-Variante nur sehr aufwendig nachträglich angepasst werden kann, wenn sie erst einmal implementiert und genutzt wurde.  
 

Professor Ali Sunyaev (Foto: Manuel Balzer)

„Das Abwägen zwischen teils widersprüchlichen Anforderungen verhinderte bislang die universell einsetzbare DLT“, erklärt Professor Ali Sunyaev vom Institut für Angewandte Informatik und formale Beschreibungsverfahren des KIT. „Um Nutzer bei der Auswahl und Konfiguration eines für sie passenden Systems bestmöglich zu unterstützen, wollen wir unser Modell am Ende des Projektes schließlich in einen strukturierten Auswahlprozess einbetten und implementieren diesen als interaktive Software.“ Daneben kann die systematische Erfassung der DLT-Eigenschaften auch neue Entwicklungspfade für die Forschung aufzeigen.
 

„Um wirkliche wissenschaftliche Durchbrüche zu erzielen, müssen wir über nationale und disziplinäre Grenzen hinausdenken. Die nun ausgewählten Forscherinnen und Forscher werden hierzu wertvolle Beiträge leisten“, sagt Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler.
 

Die „Helmholtz-RSF Joint Research Groups“ bauen auf einer Partnerschaft von Helmholtz und der Russian Science Foundation (RSF) auf. Ein Schwerpunkt dieses Programms liegt auf der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in beiden Ländern. An den ausgewählten Forschungsprojekten sind jeweils Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eines Helmholtz-Zentrums sowie russische Partner beteiligt. In der aktuellen Auswahlrunde wurden insgesamt sechs Gruppen gefördert.
 

kes, 15.08.2019