Eisen kann als Energieträger Milliarden sparen

Als Ergänzung zum grünen Wasserstoff kann reduziertes Eisen einen relevanten Beitrag zur Energiewende in Europa leisten
Collage aus drei Bildern, dargestellt wird die Stromerzeugung aus Windenergie und Enegiespeicherung mithilfe von Eisenpartikeln.. KIT / TU Darmstadt
Eisen hat laut einem aktuellem Gutachten großes Potenzial, den Strom aus Erneuerbaren Energien nachhaltig und jederzeit verfügbar zu speichern – und dabei Milliarden einzusparen. (Fotos: Markus Breig, KIT / Metal Energy Hub, TUDa / Janik Hebel, TUDa)

Für ein klimaneutrales Energiesystem muss Energie gut zu speichern und über weite Strecken transportierbar sein. Neben dem vieldiskutierten grünen Wasserstoff kommt dafür auch ein ungewöhnlicher Kandidat infrage: Eisen. Ein Gutachten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln im Auftrag der DESERTEC Foundation und der TU Darmstadt, mit der Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im Rahmen vom Projekt Clean Circles seit 2021 zusammenarbeiten, zeigt nun: Eisen könnte die Kosten des europäischen Energiesystems um bis zu 18 Milliarden Euro im Jahr senken und die Abhängigkeit von Energieimporten verringern.

Wie Eisen Energie speichert

Eisen funktioniert gut als Energiespeicher, weil es mit Sauerstoff aber ohne Freisetzung des Treibhausgases CO2 verbrennt, wenn es als fein gemahlenes Pulver vorliegt. Nach dem Brennen bleibt nur noch Eisenoxid übrig. Kehrt man diesen Vorgang um und entzieht dem Eisenoxid den Sauerstoff mithilfe von Wasserstoff, entstehen reduziertes Eisen und Wasser als Nebenprodukt. Erfolgt dieser Schritt mit grünem Wasserstoff, steckt die Energie aus Sonne und Wind chemisch gespeichert im Eisenpulver wie in einer aufgeladenen Batterie. Das Eisen selbst wird nicht verbraucht, sondern pendelt immer wieder zwischen den Zuständen „geladen“ und „entladen“.

„Am KIT arbeiten wir unter anderem daran die Verbrennung und Reduktion der Eisenpartikeln besser zu verstehen und zu optimieren“, so Professor Dimosthenis Trimis vom Engler-Bunte-Institut des KIT. Das geladene Pulver lässt sich einfach lagern und per Schiff oder Bahn transportieren. Bei Bedarf kann es in Kraftwerken Strom und Wärme liefern, die sich – anders als Wind- und Solarstrom – gezielt abrufen lassen. Auch bestehende Kraftwerke könnten so ein zweites, grünes Leben erhalten. „Das Gutachten zeigt: Eisen ersetzt grünen Wasserstoff nicht, es ergänzt ihn“, so Trimis. „Metalle als Energieträger haben wirtschaftlich, energetisch und strategisch ein enormes Potenzial.“ 

as, 04.11.2026