Neue Erkenntnisse über die Entstehung der Alpen
Die Entstehungsgeschichte der Alpen fasziniert und beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrhunderten. Die Hauptursache für die Entwicklung des Gebirges – der Zusammenstoß zweier Kontinentalplatten, von denen eine abtaucht und die andere nach oben drückt – ist hinlänglich bekannt. Nun haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gemeinsam mit Partnern der ETH Zürich neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie sich beim Zusammenstoß dieser Platten ein Teil der abtauchenden Erdplatte unter den Alpen löste und seitlich ausbreitete. Dabei konnten sie einen bislang offenen Widerspruch zwischen Modellrechnungen und geologischen Beobachtungen erklären. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in Nature Communications.
Stärke des Kontinentalrandes beeinflusst Plattenabriss
„Bisher gingen die Modelle davon aus, dass sich ein Plattenabriss sehr schnell seitlich ausbreitet“, sagt Professorin Nevena Andrić-Tomašević vom Institut für Angewandte Geowissenschaften (AGW) des KIT. Doch dadurch hätten an der Erdoberfläche kaum jene durch geologische Beobachtungen aufgezeigten länger anhaltenden Spuren entstehen können.
Mithilfe dreidimensionaler geodynamischer Modelle fanden die Forschenden heraus, dass die unterschiedliche Stärke des ehemaligen Kontinentalrandes der abtauchenden Platte maßgeblich beeinflusst, wo der Plattenabriss beginnt, wie schnell er sich ausbreitet und welche Spuren er an der Erdoberfläche hinterlässt. „Wir konnten zeigen, dass die unterschiedliche Stärke des ehemaligen Kontinentalrandes sowie seine Struktur die Geschwindigkeit und Ausbreitung des Plattenabrisses entscheidend beeinflusst“, so Andrić-Tomašević.
Das Modell erklärt so erstmals den verlangsamten Plattenabriss und zeigt, wie der Vorgang die Erdoberfläche prägt: „Hebung und Absenkung wandern mit dem Abriss, verändern die Ablagerungsräume und hinterlassen charakteristische Spuren in der Landschaft“, sagt Erstautor Dr. Giridas Maiti vom AGW des KIT. „Damit können wir geologische Beobachtungen an der Oberfläche mit Prozessen in großer Tiefe verbinden.“
mhe, 20.08.2026
