Geothermische Rohstoffextraktion unter der Lupe

Forschende des KIT und Partner analysieren die Kupfer- und Lithiumextraktion aus geothermischen Fluiden in Norddeutschland und formulieren Handlungsoptionen
Lithium: Für die Lithiumproduktion hängt die Wirtschaftlichkeit vom Lithiumpreis ab Amadeus Bramsiepe, KIT
Die Ko-Extraktion von Lithium und Kupfer in Deutschland könnte die Rohstoffabhängigkeit der EU reduzieren.

Mit dem Critical Raw Materials Act hat sich die Europäische Union zum Ziel gesetzt, die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen bis 2030 zu reduzieren. Das Projekt CuLiWell des Helmholtz-Forums Erde und Umwelt untersucht deshalb mit Beteiligung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) die Kupfer- und Lithiumgewinnung aus geothermischen Fluiden in Norddeutschland. In einem nun veröffentlichten Factsheet klären Expertinnen und Experten über Herausforderungen sowie mögliche Herangehensweisen auf.

Wissenslücken schließen, Potenziale nutzen

Eine dieser Möglichkeiten ist die direkte Lithiumextraktion aus tiefliegenden Sandsteinen des Norddeutschen Beckens, bei der sich auch Kupfer gewinnen ließe. Diese Ko-Extraktion ist vergleichsweise umweltfreundlich und rentabel, bislang beeinträchtigt jedoch die geringe Durchlässigkeit der Gesteinsformationen die Extraktionsprozesse. „Es gibt zwar bereits vielversprechende Ansätze, allerdings ist die Skalierung auf den industriellen Maßstab noch nicht gelungen“, erläutert Dr. Elisabeth Eiche vom Institut für Angewandte Geowissenschaften des KIT. „Außerdem bestehen weiterhin Forschungslücken. Deshalb ist es sehr wichtig, Verbundprojekte weiter zu fördern und diese Herausforderungen wissenschaftlich fundiert und verlässlich anzugehen.“

In ihrem Factsheet formulieren die Forschenden konkrete Handlungsoptionen, die eine zuverlässige Extraktion sowie ökonomische Rentabilität ermöglichen sollen. Diese reichen von der Einrichtung industrieller Demonstrationsanlagen bis zu bundes- und landespolitischen Handlungsansätzen wie der mehrdimensionalen Untergrundplanung und dem beschleunigten Zugang zu Geologiedaten. Im Projekt CuLiWell arbeiten Forschende aus der Helmholtz-Gemeinschaft, zu der das KIT gehört, mit der Fraunhofer-Gesellschaft sowie den Ressortforschungseinrichtungen des Bundes zusammen und bringen ihre Expertise in den Dialog mit Industrie, Zivilgesellschaft und Politik ein.

lla, 01.04.2026