Coaching-Perspektive erweitert Krisenmodelle im Profifußball
Jedes Fußballteam durchläuft schwierige Phasen. Um solche Krisen besser bewältigen oder sogar vermeiden zu können, ist es wichtig, die zugrundeliegenden Prozesse zu verstehen. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben deshalb nun erstmals die Perspektive von Trainerinnen und Trainern analysiert und bieten damit einen differenzierten Einblick in Druck- und Erwartungshaltungen im Profisport.
Erfolg beginnt in der Kommunikation
„Performance-Krisen im Profifußball entstehen nicht durch einzelne Ereignisse, sondern durch latente Schwächen, Auslöser und selbstverstärkende Eskalationszyklen“, betont Hauptautor Constantin Rausch vom Institut für Sport und Sportwissenschaft des KIT. Unauffällige Schwächen wie Uneinigkeiten im Verein und im Team, die in Zeiten des Erfolgs kaum auffallen, tragen in unsicheren Phasen erheblich zur Eskalation bei. Das komplexe Zusammenspiel externer, organisatorischer und mannschaftsorientierter Faktoren haben die Forschenden zuvor hauptsächlich aus der Spielerperspektive untersucht – nun haben sie zwölf Trainer aus dem professionellen Männerfußball interviewt.
„Trainerinnen und Trainer bieten einen einzigartigen Zugang zu Krisenprozessen im Profifußball – insbesondere auf Organisationsebene“, erklärt Rausch. „Sie agieren als Puffer für medialen Druck und interne Erwartungen, die Krisen verstärken können.“ Mit dieser neuen, systemischen Perspektive erweitern die Forschenden am KIT bisherige Krisenmodelle insbesondere durch die Problematik verschiedener Wahrnehmungen und deren Beitrag zu eskalierenden Krisendynamiken. Sie betrachten unterschiedliche Einschätzungen auf Organisationsebene als zentralen Faktor, der Unsicherheiten begünstigt und Teamdynamiken schwächt. Klare interne Kommunikation sowie abgestimmte Erwartungshaltungen seien daher zentral für Deeskalation und Prävention, so Rausch.
lla, 04.03.2026
