Klimawandel verstärkt Wärmeinseleffekt in den Tropen

Forschende decken mithilfe von Maschinellem Lernen eine beschleunigte Erwärmung in tropischen Städten auf und schaffen eine Grundlage für Anpassungsmaßnahmen
Weltkarte mit farbigen Punkten, die Temperaturanstiege markieren Sarah Berk
Wärmeinseleffekt in Städten weltweit – Oberflächentemperaturen steigen in Indien, China und Westafrika besonders stark.

Städte sind im Vergleich zu ihren ländlicheren Umgebungen oft wärmer. Dieser städtische Wärmeinseleffekt ist während Hitzewellen oft besonders ausgeprägt. Daher ist eine zentrale Frage, inwiefern sich die Diskrepanz zwischen Stadt und Land durch den Klimawandel weiter verschärfen könnte. Besonders in wärmeren Regionen könnte dies zu erheblichen Gesundheitsrisiken führen, weshalb verlässliche Prognosen gerade für tropische Städte essenziell sind. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der University of East Anglia in England haben nun 104 mittelgroße Städte in den Tropen und Subtropen hinsichtlich ihrer prognostizierten Temperaturveränderungen untersucht.

Maschinelles Lernen schließt zentrale Modelllücke

„Gängige globale Klimamodelle stoßen beim Abbilden von Trends in kleineren Städten auflösungstechnisch an Grenzen. Hochaufgelöste Stadtmodelle können wir wiederum nicht flächendeckend anwenden“, erläutert Tenure-Track Professor Peer Nowack vom Institut für Theoretische Informatik des KIT, der die Studie mitbetreut hat. Nowack und sein Forschungsteam nutzen deshalb Maschinelles Lernen, um globale, grobaufgelöste Klimaprojektionen in lokale Veränderungen in städtischen Wärmeinseln zu übersetzen.

Dabei fanden die Forschenden heraus, dass rund 80 Prozent der 104 untersuchten Städte in Indien, China und Westafrika einen deutlich schnelleren Temperaturanstieg aufweisen als ihre Umgebung. In etwa 15 Prozent der Fälle könnten die urbanen Erwärmungen um 50 bis 100 Prozent höher ausfallen, als dies bei einer globalen Durchschnittserwärmung von zwei Grad Celsius ohnehin zu erwarten wäre. Das internationale Forschungsteam konnte so erstmals aufzeigen, dass mittelgroße Städte, in denen ein großer Teil der Weltbevölkerung lebt, zukünftig bislang unterschätzten Hitzebelastungen ausgesetzt sein könnten. Die Ergebnisse können helfen, Gesundheitsrisiken besser einzuschätzen und gezielte Maßnahmen der urbanen Hitzeanpassung in den betroffenen Gebieten zu entwickeln.

lla, 12.02.2026