Neuer Ansatz in der Risikobewertung von Chemikalien
Um die Auswirkungen von Chemikalien auf Lebewesen und auf die menschliche Gesundheit einschätzen zu können, sind Untersuchungen an Organismen notwendig, etwa durch Versuche an Säugetieren. Forschende am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben nun herausgefunden, dass nicht-säugetierartige Organismen in vergleichbarem Maße auf die Giftwirkung von verschiedenen chemischen Substanzen reagieren wie Nagetiere. Die Erkenntnisse könnten zukünftig dazu beitragen, die für die Zulassung von Chemikalien geforderten Versuche an Säugetieren nicht nur zu reduzieren, sondern auch zu ersetzen.
Im Projekt PrecisionTox untersuchte das Team am KIT Zebrafischembryonen, europäische und US-amerikanische Partner steuerten die Daten weiterer alternativer Testorganismen wie Fadenwürmer und Taufliegen bei. Die Ergebnisse verglichen die Forschenden mit bereits vorhandenen Datenbankeinträgen von Nagetieren. Anschließend untersuchten sie die gesammelten Daten der alternativen Testorganismen darauf, inwiefern sie das Risiko von Chemikalien für die menschliche Gesundheit vorhersagen können.
„Wir waren überrascht, dass die relative Giftwirkung der Substanzen über alle Testorganismen hinweg sehr ähnlich ist“, erklärt Dr. Thomas Dickmeis vom Institut für Biologische und Chemische Systeme – Biologische Informationsprozessierung des KIT. Insgesamt haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 72 verschiedene Chemikalien auf ihre toxische Wirkung in den nicht-säugetierartigen Organismen getestet. Da es bislang nur für einen geringen Anteil an Chemikalien umfassende Informationen zu deren Wirkung auf Organismen in der Umwelt gibt, können die Ergebnisse helfen, diese Wissenslücke zu schließen und gleichzeitig Versuche an Säugetieren zu vermeiden.
era, 11.12.2025
