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Symposium „Lehre“: Universität der Diversität – Einheit der Vielfalt

„Wer sind unsere Studierenden von heute?“ Über diese Frage diskutierten Lehrende auf dem ersten Symposium „Lehre“ der Arbeitsstelle Hochschuldidaktik am KIT. Dr. Birgit Szczyrba, Leiterin der Hochschuldidaktik an der Fachhochschule Köln, moderierte.

Studierende mit Migrationshintergrund, mit Kind oder mit körperlichen Einschränkungen sind auf den Campus Deutschlands keine Seltenheit mehr. Die Heterogenität der modernen Gesellschaft sei mittlerweile in den Hörsälen angekommen und man tue gut daran, ihr aktiv zu begegnen, sagte Professor Alexander Wanner, KIT-Vizepräsident für Lehre und akademische Angelegenheiten. Als Beispiel nannte er das MINT-Kolleg Baden-Württemberg, das Studienanfänger mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen auf ein technisches oder natur- und ingenieurwissenschaftliches Hochschulstudium vorbereitet.

Individuelle Wege fördern
„Weder Elternhaus noch Abiturnote entscheiden über den Erfolg eines Studiums – das belegt eine aktuelle empirische Studien von Rolf Schulmeister “, berichtete Szczyrba in ihrem Einführungsvortrag „Diversität von Studierenden und Lehrenden“. Ausschlaggebend sei das Studierverhalten, es sei Aufgabe der Lehrenden, hierfür den passenden Rahmen vorzugeben. „Wichtig ist, das Ziel – das Lernergebnis – nie aus den Augen zu verlieren, aber individuelle Wege dahin zuzulassen und zu fördern“, so die Sozialwissenschaftlerin.

Jung, pragmatisch, verunsichert
„Studierende von heute sind deutlich jünger als vor 20 Jahren“, sagte Professor Peter Nick, der sich am Institut für Botanik unter anderem mit Biodiversität befasst. Im Alter von 18 seien Studienanfänger in einem anderen Stadium, ihnen seien andere Dinge wichtig als etwa mit 22 Jahren.

Sabine Köster, Leiterin der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks Karlsruhe, ergänzte, dass gerade jüngere Studierende – teilweise schon vor Studienbeginn – Beratung suchten. Sie hätten Versagens- und Zukunftsängste; auf die Frage, warum sie ein bestimmtes Studium gewählt haben, hätten sie oft keine klare Antwort. „Bei manchen fehlt die intrinsische Motivation für ein Studienfach, andere fühlen sich überfordert“, so Köster.

Ähnliche Erfahrungen macht auch der Fachstudienberater für Bauingenieurwesen Harald Schneider. „Im Spiegel der Gesellschaft spielen materielle Absicherung und künftiger Status eine immer größere Rolle“, so der Ingenieur. Studieninteressierte entschieden sich heute eher für Maschinenbau – einfach weil sie ein höheres Einstiegsgehalt erwarten könnten als im Bauingenieurwesen.

Hat sich das Studium geändert? Oder die Gesellschaft?
Existenzängste, ökonomisches Denken, Stress im Studium – liegt die Ursache in durchstrukturierten Bachelor- und Masterstudiengängen oder sind sie Teil einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung?

„Bologna ist das, was wir daraus machen“, war Clemens Puppe, Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre, überzeugt. Durchlässigkeit und Kombinierbarkeit seien grundsätzlich in dem neuen Bildungssystem angelegt, meinte auch Nick.

Philipp Blum, Juniorprofessor am Institut für Angewandte Geowissenschaften, rät seinen Studierenden sich Freiräume zu nehmen, beispielsweise ins Ausland zu gehen, und dafür lieber ein Semester dranzuhängen. Das sei oft viel effektiver als Zehn-Punkte-Listen an zu erwerbenden Soft Skills mechanisch abzuarbeiten, da waren sich Blum und Schneider einig.

Herausforderung für Hochschullehrer
„Eine heterogen zusammengesetzte Studierendenschaft ist eine Herausforderung für alle Hochschulen, sie ist aber auch eine Chance und birgt Kreativitätspotenzial“, sagte KIT-Vizepräsident Wanner. Mindeststandards müssten sein, aber auch flexible Spielräume. Die Anforderungen an die Lehrenden würden nicht geringer.

Hochschuldidaktik-Zertifikate für 15 Lehrkräfte

Übergabe der Hochschuldidaktik-Zertifikate Ba-Wü am KIT15 junge Lehrkräfte am KIT haben sich darauf intensiv vorbereitet: Berufsbegleitend hatten sie in Workshops, Beratungsrunden und Lehrhospitationen alternative Lehr- und Lernformen kennengelernt und ihre Lehrkompetenz ausgebaut. Zum Abschluss des Symposiums überreichte Vizepräsident Wanner die Hochschuldidaktik-Zertifikate (HDZ) Baden-Württemberg an Jens Becker, Raphael Breiner, Thorsten Beuth, Dr. Martina Comes, Dr. Elisabeth Eiche, Dr. Johannes Fischer, Dr. Massimo Genoese, Dr. Michael Grosch, Marius Henkel, Dominik Kern, Anna Kühlen, Dr. Christoph Mager, Melanie Schwab, Dr. Wilko Thiele, Judith Weiblen. 

Nähere Informationen unter www.peba.kit.edu/382.php

lcp, 18.11.2013