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Macht Schule studierfähig? Sind Studienanfänger überfordert?

5. Round Table der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks Karlsruhe - Interview mit Sabine Köster, Leiterin der Beratungsstelle.
Seit 2009 veranstaltet die Psychotherapeutische Beratungsstelle (PBS) des Studentenwerks Karlsruhe mindestens einmal pro Jahr Round-Table-Gespräche mit unterschiedlichen Themen. Referentinnen und Referenten anderer Institutionen werden entsprechend des jeweiligen Themas eingeladen.

Hintergrund des jüngsten Gesprächs waren die HIS-Studie 2009 und Erfahrungen in der Beratung von Studienanfängern sowie die hohe Abbruchquote zu Studienbeginn: Knapp zwei Drittel der Bachelor-Studierenden, die ihr Studium abbrechen, tun dies im 1. oder 2. Semester. Mit der Leiterin der PBS, Sabine Köster, sprach Aleksandra Wagner.

Wie ist "Studierfähigkeit" definiert? Ist man mit bestandenem Vollabitur automatisch "studierfähig"?
Sabine Köster: "Studierfähigkeit" bedeutet allgemein, den Herausforderungen eines Studiums gewachsen zu sein. Diese Herausforderungen sind nicht nur fachlicher Art: Die Aufnahme eines Studiums erfordert es, sich auf neue und andere Lern- und Lebensbedingungen einzustellen. Für den neuen Start am Studienort ziehen viele aus dem Elternhaus aus, verlassen den bisherigen Freundeskreis und sind erstmals auf sich allein gestellt. Inwiefern es gelingt, in der neuen Lebenswelt Hochschule zurechtzukommen, zählt ebenso zur Studierfähigkeit wie das fachbezogene Vorwissen. Insofern geben Schulnoten und Abiturzeugnisse keine Garantie für ein erfolgreiches Studium. Ungefähr ein Drittel der Studierenden, die unsere Beratungsstelle aussuchen, haben ein Einserabitur: Trotz sehr guter Schulnoten ist Studieren gar nicht so einfach.

Wie starte und studiere ich richtig, ohne mich zu überfordern? Welche Tipps können Sie Studierenden im ersten Semester geben?
Köster: Lernen an der Hochschule ist eine Ausdauer-, keine Kraftsportart. Das heißt, dass Vorlesungs- und Seminarinhalte regelmäßig vor- und nachbreitet werden sollten. Kraftakte in der Nacht vor der Prüfung reichen in der Regel nicht aus. Ebenso wenig ist es möglich, sich durch reines Auswendiglernen den Prüfungsstoff zu erarbeiten. Lernstrategien, die in der Schule erfolgreich waren, sollten auf die Erfordernisse der Hochschule angepasst werden. Bewährt hat sich das Erstellen von Zeit- und Arbeitsplänen, um sich an ein kontinuierliches Arbeiten zu gewöhnen und den Überblick nicht zu verlieren.

Was ist neben "richtigem" Lernen noch wichtig?
Köster: Mindestens ebenso wichtig ist, für ausreichend Ausgleich und Erholung zu sorgen. Viele Studierende meinen, dass sie dafür nun wirklich keine Zeit übrig hätten. Gerade aber Sport und die Gemeinschaft mit anderen sind notwendige Grundvoraussetzungen, um gesund und erfolgreich studieren zu können. Für ein Studium braucht es nicht nur einen klugen Kopf, sondern auch ein befriedigendes und erfüllendes Freizeitleben, damit die Seele und der Blick nach rechts und links nicht zu kurz kommen und der Akku nicht in den roten Bereich gerät. Viele Studierende nehmen sich zu wenig Zeit für die schönen Dinge und verlieren die Lebensfreude, worunter das Studium erheblich leidet.

Wie gestaltet sich der Übergang von der Schule zur Hochschule?
Köster: Der Übergang von der Schule an die Hochschule bleibt trotz diverser Bemühungen ein Bruch, oftmals verbunden mit viel Verunsicherung und Verwirrung. Für Studienberechtigte eröffnet sich ein breites Spektrum an Möglichkeiten von verschiedensten Studiengängen an verschiedenen Hochschulstandorten. Oftmals heißen ähnliche Studiengänge unterschiedlich, die Bewerbungsverfahren erfordern hochschulspezifische Recherchen. Hier fällt die Orientierung schwer. Eltern können oftmals kaum Ratschläge geben, da ihnen die neuen Strukturen fremd sind. Bei der Suche nach der richtigen Entscheidung werden viele externe Kriterien herangezogen, beispielsweise Rankings, Wohnortnähe der Hochschule, spätere Berufsaussichten. Das wichtigste Kriterium ist jedoch die Frage: Was passt zu mir? Um dies herauszufinden, muss man manchmal ausprobieren und sich gegebenenfalls auch mehrere Anläufe zugestehen.


del, 19.12.2012