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Presseinformation 131/2009

Mehr Technikwettbewerb bei Europas Funkwellen

Internationaler Runder Tisch über “Radiovielfalt” am KIT fordert schnellere Flexibilisierung
Drahtlos in die Zukunft: Wie Europa mit neuen Kommunikationstechnologien umgehen  sollte, diskutierten internationale Experten am KIT (Bild: photocase).
Drahtlos in die Zukunft: Wie Europa mit neuen Kommunikationstechnologien umgehen sollte, diskutierten internationale Experten am KIT (Bild: photocase).

Die Regulierung der Funknetze in Europa gerät zunehmend unter Druck: Im globalen Wettbewerb könnten die Netze effizienter mit neuen Funktechniken genutzt werden. Dies ist das Fazit der internationalen Konferenz zum Thema „Radio Diversity“ mit Experten auf dem Gebiet der drahtlosen Kommunikation, die diese Woche am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) stattfand.

Europa steht vor neuen Herausforderungen. Fachleute diagnostizieren einen Mangel an Innovationen in Funknetzen und Handys, fragmentierte Märkte sowie einen schwachen Wettbewerb. Die Preise für mobile Dienste sind im Vergleich zum Ausland vergleichsweise hoch und die Mechanismen bei der heutigen und zukünftigen Vergabe der Frequenzbänder zu unflexibel. Dabei entstanden die meisten Innovationen bei den UMTS-Diensten in der Vergangenheit in Amerika und Asien. Um dies zu diskutieren, kamen Experten aus Europa, den USA und Japan zum “International Round Table on Radio Diversity” ans KIT und tauschten die neuesten Ergebnisse aus Wirtschaft und Forschung aus.

"Durch überholte Politik und europaweite Fragmentierung fördern die europäischen Regulierungsbehörden Wettbewerb und Innovation nur unzureichend. Mehr Innovation würde dazu beitragen, die Kosten zu reduzieren, neue Dienste zu ermöglichen und die Bedeutung der Region Europa in der globalen Funkindustrie zu vergrößern“, betont Dr. Arnd Weber, Innovationsforscher am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT, das den Runden Tisch organisiert hat

Ein flexibles Angebot von Frequenzspektren für brandneue Funktechniken wurde als Schlüsselfaktor identifiziert, um Europas globale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Dies gilt vor allem für das lizenzierte Funkwellenspektrum: "Da die technische Entwicklung zu geringeren Investitions- und Betriebskosten führt, sollte die Regulierung einen viel schnelleren europaweiten Einsatz neuer Funktechniken ermöglichen", forderte Arnaud Saffari, Miterfinder der iburst-Technik und Präsident der Firma Kleos, einem Anbieter mobiler Breitbandsysteme.

Mehr Flexibilität wurde aber auch für die unlizenzierte Nutzung des Spektrums gefordert: "Nichts regt Innovationen so an wie lizenzfreie, diensteneutrale Bänder", so Robert Horvitz, Direktor der Open Spectrum Foundation: "Europa braucht mehr solche Bänder in verschiedenen Frequenzbereichen."

Die Experten am Runden Tisch forderten neue Formen der Spektrumsregulierung. Dies sind beispielsweise europaweite Lizenzen sowie gemeinschaftliche und offene Nutzung. Außerdem sollten die Linzenzinhaber auch dazu beitragen, die Nutzbarkeit des Spektrums zu verbessern. Effizienzgewinne sollten, so eine weitere Forderung der Experten, in preiswerte mobile Internetdienste für Bürger und Unternehmen münden. Auch geht es darum, den Zuwachs des Energieverbrauchs der Netze zu reduzieren.

“Auf einigen asiatischen Märkten, wie in Japan, kostet eine mobile Email nur einen Euro-Cent, während auf den meisten europäischen Märkten SMS immer noch bis zu 19 Cent kosten”, gibt Weber zu bedenken. Isolde Goggin, die ehemalige Vorsitzende von ComReg, der irischen Regulierungsbehörde und inzwischen unabhängige Beraterin, betonte bei der Konferenz: "Das frühere Verhalten der Regulierer, die manchmal Jahre im Voraus festlegten, welche Techniken für welchen Zweck auf welchem Band verwendet werden dürfen, ist für die heutige, sich schnell wandelnde Welt nicht mehr angemessen. Wir müssen die Barrieren zur Nutzung des Spektrums absenken, um neue und innovative Techniken schnell und leicht auf den Markt bringen zu können. Das wäre sowohl für die europäischen Verbraucher, als auch für die europäische Telekommunikationsindustrie gut."

Weitere Informationen zum ITAS unter: www.itas.fzk.de.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verbindet die Aufgaben Forschung - Lehre – Innovation in einem Wissensdreieck.

ds, lg, 20.11.2009

Weiterer Pressekontakt:

Monika Landgraf
Pressesprecherin
Tel.: +49 721 608-21150
Fax: +49 721 608-43658
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