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Studie: Raucher sind billiger für den Staat

Finanzwissenschaftler des KIT hat Netto-Kosten des Rauchens und Einnahmen des Staates durch Tabaksteuern einander gegenübergestellt.

Rauchen ist tödlich – so steht es auf jeder Zigarettenpackung. In der Tat starben im Jahr 2011 etwa 99.000 Menschen in Deutschland an den Folgeschäden des Rauchens. Die Tabaksteuer soll die Mehrkosten ausgleichen, die Raucher durch erhöhte Mortalität und Morbidität verursachen. Doch wie hoch sind diese Kosten tatsächlich und wo spart der Staat an Rauchern? Ist die Tabaksteuer in ihrer Höhe berechtigt? Damit hat sich Florian Steidl, vom Lehrstuhl für Finanzwissenschaft und Public Management des KIT in einer Studie befasst.

Höhere Gesundheitskosten vs. Erleichterung für Rentenkassen

Basierend auf Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung aus dem Jahr 2011 errechnete er, was Raucher den Staat während ihres Lebens kosten. So muss die Gemeinschaft der Krankenversicherten und der Steuerzahler hierfür 65 Milliarden Euro mehr für die Behandlung typischer Raucherkrankheiten, wie Atemwegserkrankungen oder Krebs, "zahlen".

Weil viele Raucher dadurch vermindert erwerbsfähig oder gar erwerbsunfähig sind, müssen gesetzliche Rentenversicherungen beziehungsweise die Beamtenversorgung gut 25 Milliarden Euro mehr an Renten auszahlen. Im Todesfall müssen sie 67 Milliarden Euro für die Hinterbliebenen aufbringen. Zusammen sind das 157 Milliarden Euro Mehrkosten für den Staat.

Kosten des Rauchens sind "keine Rechtfertigung, die Tabaksteuer weiter zu erhöhen"

Doch dieser profitiert auch vom Tabakkonsum, wie Steidl in seiner Studie zeigt: Männliche Raucher leben im Schnitt etwa 5,5 Jahre weniger, weibliche 4,4 Jahre. Dadurch entlasten sie die Rentenkassen um ganze 158 Milliarden Euro, weil diese weniger für Alters- und Krankenpflege ausgeben müssen. Durch die so wegfallende Altersversorgung für Beamte spart der Staat nochmals 35 Milliarden Euro.

"Die frühe Sterblichkeit der Raucher kann die Kosten, die sie für die Allgemeinheit verursachen, kompensieren", so Florian Steidl. "Zusätzlich zahlen die 2011 lebenden Raucher bis zu ihrem Lebensende 376 Milliarden Euro Tabaksteuern. Finanziell betrachtet, profitiert der Fiskus bereits jetzt vom Rauchen. Aus einer Perspektive, bei der sich die Tabaksteuern an der Höhe der von der Allgemeinheit getragenen Kosten des Rauchens orientiert, besteht daher keine Rechtfertigung, die Tabaksteuer weiter zu erhöhen."


wer, 02.09.2015