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Presseinformation 046/2019

Auf dem Weg zur selbst-bewussten KI?

Ein neues Technologievorausschau-Projekt will klären, was es mit der Vision „beseelter“ Maschinen auf sich hat
Hoher Aufklärungsbedarf: Ob Maschinen dank Künstlicher Intelligenz zu Wesen mit Bewusstsein werden können, ist unklar und umstritten. (Bild: Pixabay)
Hoher Aufklärungsbedarf: Ob Maschinen dank Künstlicher Intelligenz zu Wesen mit Bewusstsein werden können, ist unklar und umstritten. (Bild: Pixabay)

Alexa, Sophia, Watson: Die uralte Idee einer dem Menschen ähnlichen, zugleich mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestatteten Maschine hat durch die Fortschritte der KI-Forschung neue Nahrung erhalten. Einige Akteure stellen die Entwicklung einer ihrer selbst bewusst werdenden „Superintelligenz“ in Aussicht. Doch wie realistisch ist das? In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Abklärung des Verdachts aufsteigenden Bewusstseins in der Künstlichen Intelligenz“ gehen Technikfolgenforscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) dieser bislang kaum erforschten Fragestellung auf den Grund.

 

Als im Oktober 2017 der Roboter „Sophia“ auf einer Konferenz im saudi-arabischen Riad ans Rednerpult trat und dem halb amüsierten, halb staunenden Publikum sein Selbstverständnis einer lernenden und kommunizierenden Maschine in Menschengestalt erläuterte, war dies in der öffentlichen Wahrnehmung ein Meilenstein auf dem scheinbar immer kürzer werdenden Weg zu einer „erwachenden“, ihre Individualität und ihre internen Zustände reflektierenden Künstlichen Intelligenz. Auch KI-gestützte Systeme wie der Smart Speaker „Alexa“, IBMs dialogfähiges Superhirn „Watson“ oder Googles selbstlernender Schachgigant „AlphaZero“ befeuern die Vision einer in absehbarer Zeit realisierbaren „Superintelligenz“, die alles Dagewesene in den Schatten stellt. Renommierte Akteure in Wissenschaft und Kunst warnen vor den Folgen eines solchen Epochenwechsels, andere verweisen auf die nachgerade utopischen Chancen. Die grundlegende Frage, was „bewusste KI“ überhaupt sei und was an den Szenarien von Maschinen mit einer eigenständigen Existenz „dran“ sein könnte, wird erstaunlicherweise selten gestellt.

 

Hören Sie hier die Experten im Radiointerview:

 

An dieser Stelle setzt das zweijährige Forschungsprojekt „Abklärung des Verdachts aufsteigenden Bewusstseins in der Künstlichen Intelligenz (KI-Bewusstsein)“ an. „Uns geht es darum, das Thema KI-Bewusstsein zu entmystifizieren“, sagt Projektleiter Professor Karsten Wendland vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT. „Manche“, erläutert der Informatiker und Technikfolgenforscher seine Zielsetzung, „halten es für ausgeschlossen, dass Maschinen, insbesondere KI-Systeme, irgendwann einmal ‚bewusst‘ werden. Andere behaupten, bewusste KI-Systeme seien schon längst da und versteckten sich noch vor uns. Hier möchten wir ein transdisziplinär tragfähiges Verständnis erarbeiten und die Ergebnisse in den öffentlichen Diskurs einbringen.“

 

In einem „Mixed-Methods“-Ansatz wird das Projektteam zunächst den Status quo in Sachen KI-Bewusstsein untersuchen – mittels einer systematischen Erfassung der Debatten in den Spezialdisziplinen und im öffentlichen Diskurs, in Experteninterviews sowie in einer bibliometrischen Medienanalyse. Erstmals sollen auf diese Weise typische Positionen, Argumentationen und Sprechweisen identifiziert und beschrieben werden. „Als Analysten“, sagt Projektleiter Wendland, „nehmen wir hierbei eine inhaltlich neutrale Haltung ein. Zugleich schrecken wir nicht davor zurück, sehr mutige Positionen zum KI-Bewusstsein in unsere Untersuchung aufzunehmen, Positionen, die im europäischen Raum eher selten sind, etwa, dass zwischen Menschen und Maschinen nicht zwingend unterschieden werden muss, da in allem ein Stück Schöpfung stecke.“ In einem zweiten Schritt wollen die Wissenschaftler zu zentralen Forschungsfragen des Themenfeldes „KI-Bewusstsein“ Expertinnen und Experten zusammenbringen, die bislang noch nicht miteinander sprechen. Diese transdisziplinären Brückenschläge, vertieft in Workshops und Symposien, sollen ein fächerübergreifendes Verständnis für die ebenso geheimnisumwitterte wie heikle Thematik aufbauen und befestigen. 

 

Wesentlich für das Projekt sind zuletzt die allgemeinverständliche Aufbereitung des analytisch und diskursiv erarbeiteten Wissensstandes und die Bereitstellung dieses Wissens für die interessierte Öffentlichkeit, aber auch für Interessenvertreter und weitere wissenschaftliche Communities. Dies geschieht in Bürgerdialog-Formaten ebenso wie mittels Podcasts, Broschüren und einer (im Aufbau befindlichen) Webpräsenz. Darüber hinaus ist ein enger Austausch mit Wissenschaftsredaktionen geplant. Getreu seinem entmystifizierend-aufklärerischen Ansatz geht es dem Projektteam bei der Verbreitung seiner Erkenntnisse insbesondere darum, die Abklärung der Frage aufsteigenden KI-Bewusstseins nachvollziehbar und doch fundiert publik zu machen. „Damit“, unterstreicht Projektleiter Wendland, „möchten wir das Allgemeinwissen erweitern, möglicherweise sogar läutern – und wiederum die von diesem dialogischen Prozess ausgehenden Anregungen aufgreifen.“

 

Das Projekt „Abklärung des Verdachts aufsteigenden Bewusstseins in der Künstlichen Intelligenz (KI-Bewusstsein)“ ist auf zwei Jahre angelegt und endet im Dezember 2020. Im Rahmen des Förderprogramms „Innovations- und Technikanalyse (ITA)“ wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 335 000 Euro gefördert.

 

Weitere Information: 

https://www.itas.kit.edu/projekte_wend19_kibew.php

 

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 100 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

jha, 27.03.2019

Weiterer Pressekontakt:

Justus Hartlieb
Redakteur/Pressereferent
Tel.: +49 721 608-21155
justus hartliebEnn2∂kit edu