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Presseinformation 091/2017

Britta Nestler erhält Leibniz-Preis

Kein wissenschaftliches Fehlverhalten der Karlsruher Materialwissenschaftlerin – Feierliche Übergabe des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises auf Festveranstaltung bei der DFG-Jahresversammlung in Halle
Professorin Britta Nestler erhält den Leibniz-Preis (Foto: Markus Breig, KIT)
Professorin Britta Nestler erhält den Leibniz-Preis (Foto: Markus Breig, KIT)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Professorin Britta Nestler vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Hochschule Karlsruhe vom Vorwurf des wissenschaftlichen Fehlverhaltens in vollem Umfang entlastet. Daher wird Britta Nestler den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2017 heute Abend auf der Festveranstaltung bei der DFG-Jahresversammlung in Halle nachträglich erhalten. Die Verleihung des wichtigsten deutschen Forschungspreises war im März ausgesetzt worden, nachdem der DFG äußerst kurzfristig vor der Preisverleihung anonyme Hinweise im Zusammenhang mit den Forschungsarbeiten von Britta Nestler bekannt gemacht worden waren. Nach intensiver Prüfung durch die DFG unter Hinzunahme auch externer Gutachter haben sich diese Vorwürfe nun als völlig haltlos erwiesen.

 

Die Generalsekretärin der DFG und Vorsitzende des Ausschusses zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, Dorothee Dzwonnek, sagt: „Auf der Grundlage dieser intensiven Prüfung hat sich kein Hinweis auf ein wissenschaftliches Fehlverhalten von Frau Nestler ergeben. Deshalb kann die DFG ihr nunmehr und mit großer Freude den Leibniz-Preis übergeben.“

 

„Über die nachträgliche Verleihung des Leibniz-Preises freue ich mich sehr“, erklärt Professorin Britta Nestler. „Die gegen mich und meine Forschungsarbeiten zu Unrecht erhobenen Vorwürfe haben sich nachweislich als absolut haltlos erwiesen. Nach intensiver Prüfung durch die DFG sind alle Punkte vollständig ausgeräumt; nichts davon blieb übrig“, so Nestler. Die heutige Verleihung des mit 2,5 Millionen Euro dotierten und renommiertesten Wissenschaftspreises in Deutschland sieht die Mathematikerin und Physikerin als Bestätigung ihrer Arbeit, in der sie mit der Vereinigung materialwissenschaftlicher und softwaretechnischer Expertise neue Wege geht.

 

„Professorin Britta Nestler ist eine Ausnahmewissenschaftlerin und gehört in ihrem Fachgebiet zur absoluten Spitze“, sagt der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Professor Holger Hanselka. „Frau Nestler arbeitet höchst erfolgreich interdisziplinär in der computergestützten Materialforschung. Sie war 2001 Deutschlands jüngste Professorin und erhielt seither zahlreiche Preise, unter anderem im Jahr 2007 den Landesforschungspreis Baden-Württemberg. An ihrer absoluten Integrität hatten wir nie Zweifel und ich freue mich, dass dies auch von der DFG genau so bestätigt wurde. Wir sind sehr stolz, dass Britta Nestler am KIT forscht und lehrt.“

 

„Die Karriere von Britta Nestler ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt der Vizepräsident des KIT für Forschung Professor Oliver Kraft. „Ich kenne Britta Nestler als eine exzellente und höchst engagierte Wissenschaftlerin, die ihr Fachgebiet in Deutschland mitgeprägt hat. Dass sie nun in vollem Umfang von allen Vorwürfen entlastet wurde und den wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland auch endlich entgegennehmen kann, freut mich sehr“, so Kraft. „Meine äußerste Hochachtung gilt Britta Nestler selbst, die höchst souverän die Prüfung aller Vorwürfe durch die DFG tatkräftig unterstützt hat – und dies trotz der emotionalen Ausnahmesituation, in der sie sich, wie vermutlich jeder nachvollziehen kann, befand, da sie völlig ungerechtfertigt Anschuldigungen ausgesetzt war. Besonders perfide finde ich dabei den Zeitpunkt, an dem diese geäußert wurden, der nur darauf gezielt hatte, eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu erzeugen und Britta Nestler um die Freude an der wohl verdienten Auszeichnung zu bringen.“

 

Eine Prüfung rechtlicher Konsequenzen wegen der zu Unrecht erhobenen Vorwürfe behält sich Britta Nestler vor.

 

Die Wissenschaftlerin forscht und lehrt nicht nur als Professorin am Karlsruher Institut für Technologie, wo sie Mitglied der kollegialen Leitung des Instituts für Angewandte Materialien ist. Seit 2001 ist sie Professorin an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und seit 2008 Direktorin der dortigen Abteilung Computational Materials Science and Engineering am Institute of Materials and Processes.

 

„Der Leibniz-Preis ist ein weiterer Beleg für die ausgezeichnete Forschungsleistung von Professorin Britta Nestler in einer von ihr geprägten innovativen computergestützten Materialforschung und ihr Karriereweg eine einzigartige Erfolgsgeschichte“, so Professor Markus Stöckner, Prorektor für Forschung, Technologietransfer und Qualitätsmanagement an der Hochschule Karlsruhe. „Und dass diese Forschungsleistung gemeinsam an beiden Karlsruher Hochschulen möglich wurde, ist auch Resultat gemeinsamer Anstrengungen des Landes Baden-Württemberg, des KIT und der Hochschule Karlsruhe, als sie 2010 durch ihre zusätzliche Berufung an das KIT der Stadt und damit auch dem Land erhalten blieb.“

 

Forschung von Britta Nestler

Wie entwickelt sich die Mikrostruktur eines Werkstoffs während der Herstellung, beispielsweise beim Gießen oder Walzen von Blechen. Welchen Einfluss auf die Lebensdauer haben Wärme oder mechanische Beanspruchung etwa in Kraftwerkskesseln oder Solaranlagen? Um diesen Fragen nachgehen zu können, erforscht Britta Nestler mithilfe computergestützter Simulationen die Mikrostrukturen von Materialien. Diese Computersimulation eröffnet der Wissenschaftlerin Einblicke in Prozesse, die zuvor nicht bildlich dargestellt werden konnten. Durch die Vereinigung der Disziplinen gelingt es ihr, realistische dreidimensionaler Materialmodelle zu entwickeln.

 

Die theoretischen Erkenntnisse der Mikrostrukturmodellierung auf Höchstleistungsrechnern bringt sie auch in praxisnahe Forschung mit der Industrie ein. Dies um unter anderem Bremsscheiben, Korrosionsprognosen und medizinische Diagnostik zu verbessern. Ihre Themen sind beispielsweise das Gefüge von Kristallen, Fertigungsprozesse, poröse Medien, Rissausbreitung oder der Phasenübergang zwischen Flüssigkeit und Feststoff bei der Erstarrung von Legierungen. Als Materialforscherin kooperiert sie mit Geologen etwa zur Ausbildung von Kornstrukturen in Gesteinen und hilft so, Prozesse der Erdgeschichte und der Geothermienutzung besser zu verstehen. Mit Energieforschern entwickelt sie Schaumstrukturen mit integrierten Phasenwechselmaterialien für den Einsatz in Latentwärmespeichern.

 

Zur heutigen Verleihung des Leibniz-Preises – Veranstaltungort und Rahmen

Die nachträgliche Verleihung des Leibniz-Preises an Britta Nestler findet heute Abend bei der Festveranstaltung auf der DFG-Jahresversammlung in Halle (Saale) statt. Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr im Festsaal der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Teilnehmer sind unter anderem der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und die Bremer Wissenschaftssenatorin und Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK), Prof. Dr. Eva Quante-Brandt.

 

Britta Nestler – zur Person

Seit 2010 forscht und lehrt Britta Nestler am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und ist dort Mitglied der kollegialen Leitung des Instituts für Angewandte Materialien. Zudem ist sie seit 2008 Direktorin der Abteilung Computational Materials Science and Engineering am Institute of Materials and Processes an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (HsKA). Ebenfalls im Jahr 2008 gründete sie das Steinbeis-Transferzentrum „Werkstoffsimulation und Prozessoptimierung“, das sie auch leitet. Seit 2001 hat Nestler eine Professur an der HsKA inne, dem gingen mehrere Forschungsaufenthalte im Ausland voraus. Sie hat vier Kinder.

 

Britta Nestler promovierte im Jahr 2000 an der RWTH Aachen, an der sie zuvor auch ihre Diplome in Physik und Mathematik ablegte. Als drittes Fach belegte sie Pädagogik. Zu ihren bisherigen Auszeichnungen zählt der Landesforschungspreis für Angewandte Forschung (2007) des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Zusammen mit der Fakultät für Informatik der Hochschule Karlsruhe erhielt sie den Landeslehrpreis (2009). Zudem gewann Nestler im Jahr 2014 den Forschungspreis der Hochschule Karlsruhe, 2004 den Materials Science and Technology Prizes der Federation of European Materials Societies (FEMS) und 2002 den Richard-von-Mises-Preis der Gesellschaft für Angewandte Mathematik und Mechanik (GAMM). Seit 2010 warb sie mehr als 5,5 Millionen Euro Drittmittel für Forschung und Lehre ein. Mit Britta Nestler haben bisher insgesamt sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KIT den Leibniz-Preis der DFG erhalten.

 

Zum Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Der Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG vergeben. Er zeichnet herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Forschungen auf allen Gebieten der Wissenschaft aus. Das Preisgeld von etwa 2,5 Millionen Euro können sie in einem Zeitraum von bis zu sieben Jahren nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre wissenschaftliche Arbeit ausgeben. Der Leibniz-Preis geht in diesem Jahr an zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Bislang wurden 348 Leibniz-Preise vergeben. Er gilt weltweit als einer der wichtigsten Wissenschaftspreise; sieben Preisträger erhielten nach dem Leibniz-Preis auch den Nobelpreis.

 

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 26 000 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

lg, 04.07.2017

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