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Presseinformation 134/2012

EIX sagt wirtschaftliche Entwicklung voraus

Studie am KIT: Nutzer der virtuellen Prognosebörse arbeiten schneller als Ökonomen

Ein virtueller Prognosemarkt kann Konjunkturdaten ebenso zuverlässig voraussagen wie eine Wirtschafts-Nachrichtenagentur. Die Nutzer der Prognosebörse arbeiten in der Regel sogar schneller. Dabei steigern Leerverkäufe die Genauigkeit der Prognosen. Dies zeigt eine Studie des Wirtschaftsingenieurs Florian Teschner vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Der Forscher hat Gestaltung und Leistung von Prognosemärkten anhand der vom KIT mit betriebenen Handelsblatt-Prognosebörse EIX untersucht.


Prognosebörsen sind virtuelle Marktplattformen, die den Ausgang von Geschehnissen vorhersagen: Die Teilnehmer handeln mit virtuellen Aktien über zukünftige Ereignisse, beispielsweise Wahlausgänge oder Sportergebnisse. Dabei spiegeln die Preise der Aktien die Wahrscheinlichkeit des Eintretens der Ereignisse wider. Das Konzept beruht auf der Idee, dass der Durchschnitt vieler Einschätzungen häufig treffsicherer ist als Einzelprognosen. Das Institut für Informationswirtschaft und -management (IISM) des KIT unter Leitung von Professor Christof Weinhardt betreibt gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln und der Wirtschaftszeitung Handelsblatt die Konjunktur-Prognosebörse Economic Indicator eXchange (EIX). Auf dieser handeln die Teilnehmer seit knapp drei Jahren mit ihren Einschätzungen von sechs Konjunkturindikatoren: Bruttoinlandsprodukt, Exporte, Inflation, Zahl der Arbeitslosen, Bruttoanlageinvestitionen und Ifo-Index. Sie verwenden dabei virtuelles Geld; für die besten Voraussagen gibt es Sachpreise.
 
In seiner Dissertation „Forecasting Economic Indices – Performance, Design and Learning in Prediction Markets” hat der Wirtschaftsingenieur Florian Teschner vom IISM die Qualität der Prognosen auf EIX erforscht und die Frage untersucht, wie Prognosebörsen zu gestalten sind, um Informationen schneller und effizienter zusammenzustellen. Die Ergebnisse zeigen, dass die EIX mit mehr als 1000 Teilnehmern und über 60.000 Einzelprognosen sehr genaue Vorhersagen treffen kann. Als Maßstab dienten die Konsensusschätzungen der Nachrichtenagentur Bloomberg, die auf der Befragung von Bankvolkswirten basieren. Der Vergleich ergab, dass die Qualität der EIX-Vorhersagen derjenigen der Bloomberg-Prognosen ebenbürtig ist.
 
Dabei ist EIX in der Regel sogar schneller: „Die Prognosebörse liefert zehn Tage früher eine gleichwertige Vorhersage“, erklärt Florian Teschner. Während Bloomberg eine punktuelle Prognose liefert, basierend auf Befragungen eine Woche vor der Veröffentlichung, leistet EIX eine kontinuierliche Prognose. „Dies motiviert die Teilnehmer, ihre Einschätzungen frühzeitig preiszugeben“, erläutert Teschner. Die Händler auf EIX nutzen neue Informationen sofort, um ihre Voraussagen zu verbessern.
 
Die von Professor Christof Weinhardt betreute Dissertation befasst sich auch mit den Auswirkungen von Leerverkäufen, mit denen Händler auf fallende Kurse spekulieren können, auf die Genauigkeit des Prognosemarkts. Dabei zeigte sich, dass sich die Einführung von Leerverkäufen positiv auswirkt: Zum Teil verringerte sich der Prognosefehler, das heißt die Differenz zwischen prognostiziertem und realem Wert, um 60 Prozent. „Leerverkäufe erweitern den Handelsspielraum der Teilnehmer. Dies ermöglicht es ihnen, falsche Preise besser auszunutzen – der Vorhersagefehler wird reduziert“, berichtet Teschner. Der KIT-Wissenschaftler untersuchte auch, wie sich andere Marktparameter mit der Einführung von Leerverkäufen ändern, und wies nach, dass die Liquidität zunimmt.
 
Die Studie widmete sich überdies der Frage, wie Anreiz und Feedback das Lernen und die Teilnahme der Prognosebörsen-Nutzer beeinflussen. Dabei erwies sich eine langfristige, fortlaufende Interaktion mit den Teilnehmern als wesentlich für den Erfolg der Prognosebörse. Wirkungsvollste Motivationsmaßnahme war ein wöchentlicher Konjunktur-Newsletter. Experimente zur Gestaltung der Marktbenutzeroberfläche ergaben, dass die Gebote der Teilnehmerinnen und Teilnehmer weniger profitabel sind, wenn der Handelsbildschirm eine hohe Anzahl von Informationselementen aufweist.
 
Nähere Informationen zur Prognosebörse: www.eix-market.de

 

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

or, 29.08.2012

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Margarete Lehné
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