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Zuwanderung fördern – Abwanderung bremsen!

Studierende des Instituts für Geographie und Geoökologie am KIT untersuchten die Erfolgsmodelle „City Park“ und „Smiley West”
Der City Park, Karlsruhes neue "Südoststadt"
Der City Park, Karlsruhes neue "Südoststadt"
Smiley West: "Würfelhaus"
"Smiley West": Würfelhaus
Reihenhaus im Quartier "Smiley West"
Reihenhaus im Quartier "Smiley West"

Die beiden Karlsruher Wohnviertel „City Park“ und „Smiley West” waren vergangenes Jahr Gegenstand einer Untersuchung zur Wohnzufriedenheit des Instituts für Geographie und Geoökologie am KIT, Bereich Humangeographie. Für ihre Examensarbeit unter Betreuung von Dr. Peter Ludäscher führten Studierende in den beiden neu entstandenen Wohngebieten Haushaltsbefragungen durch. Ergebnis: Die Wohnzufriedenheit ist dort überdurchschnittlich hoch – und dies, obwohl die Struktur der Bewohner und damit auch die Anforderungen an das Wohnen sehr unterschiedlich sind.

In einem typischen City-Park-Haushalt leben keine Kinder. Nur ein Drittel sind Zwei-Personenhaushalte, über die Hälfte Ein-Personenhaushalte, davon etwas mehr als die Hälfte sind jünger als 35 Jahre – knapp 17 Prozent älter als 65 Jahre. Die Haushalte wohnen mehrheitlich zur Miete (63 Prozent) in einem mehrgeschossigen Wohngebäude. Mehr als zwei Drittel der Wohnungen haben maximal drei Zimmer. Vor dem Umzug nach Karlsruhe hat ein Drittel außerhalb der Stadt Karlsruhe gewohnt.

Wichtig für die Wahl des Wohnviertels waren die innenstadtnahe Lage und das Angebot an relativ günstigen, neuen Wohnungen. Allerdings, so die Untersuchung, sei damit zu rechnen, dass die jungen Haushalte nach Gründung einer Familie andere Ansprüche an Wohnraum und Wohnumfeld stellen werden. Der damit in der Regel einhergehende Wunsch zur Bildung von Wohneigentum werde mit dazu beitragen, dass sich die jungen Familien umorientieren und andere Stadtviertel oder das städtische Umland als Wohnstandort bevorzugen.

Der typische Smiley-West-Haushalt dagegen hat zwei Kinder, die Eltern sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Die Bewohner nennen ein Reihen- oder Einzelhaus ihr Eigen, beziehen ein Haushaltseinkommen von über 4.000 Euro, haben einen Hochschulabschluss und sind mit ihrem Haus und dem Wohnumfeld sehr zufrieden. Sie legen großen Wert auf ein gutes Verhältnis zu ihren Nachbarn. Vor dem Umzug nach Smiley West haben sie in einem anderen Karlsruher Stadtteil gewohnt. Eine Veränderung der Wohnsituation wird selbst mittel- bis langfristig nicht geplant.

Gerade weil sich die Zielgruppen der Wohnungssuchenden so unterscheiden, sei es für Städte so wichtig, die unterschiedlichen Wohnwünsche zu berücksichtigen: Zum einen könne dadurch der Abwanderung junger wachsenden Haushalte mit dem Wunsch nach Wohneigentum und Kind gerechtem Wohnumfeld ins städtische Umland Einhalt geboten werden. Dazu bedürfe es eines Angebots an bezahlbaren Einfamilienhäusern auf städtischer Gemarkung, wie in Smiley West geschehen. Zum anderen könne die Zuwanderung von jungen, höher qualifizierten Haushalten durch ein innenstadtnahes Angebot an bezahlbaren, modernen Mietwohnungen in einem zeitgerechten Wohnumfeld gefördert werden.

Dass diese Rechnung aufgehen kann, zeige auch der Vergleich der Wanderungsbilanzen der Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg in jüngster Vergangenheit: Im Jahr 2009 steht Karlsruhe nach Freiburg, dem Rhein-Neckar-Kreis, Tübingen und Konstanz noch vor Stuttgart auf Platz fünf der Wanderungsgewinner. Das Fazit der Untersuchung: Auch in anderen Städten werden Konversionsflächen, also frei werdende Areale in Innenstädten, in Wohngebiete umgewandelt – aber nicht überall hat es so gut funktioniert wie hier in Karlsruhe.


del, 02.03.2011