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Wasserversorgung im Norden Vietnams – Schutz des Mekong-Deltas im Süden

Forscher des KIT koordinieren vom Bundesforschungsministerium geförderte Verbundprojekte
Tia Sang (Foto: P. Oberle, KIT)
Steile Hänge und tiefe Täler prägen den Norden Vietnams (Foto: P. Oberle, KIT)
 Tracerversuche in den Höhlen Nordvietnams (Foto: N. Goldscheider, KIT)
Tracerversuche in den Höhlen Nordvietnams (Foto: N. Goldscheider, KIT)
 Die Sang Ma Sao-Höhle (Foto: P. Oberle, KIT)
Die Sang Ma Sao-Höhle (Foto: G. Kahles, KIT)
 Montage einer Förderanlage (Foto: P. Oberle, KIT)
Montage einer Förderanlage (Foto: K. Riester, KIT)
Durch exzessive Grundwasserentnahme senkt sich das Land im Mekong-Delta um mehrere Zentimeter pro Jahr ab (Foto: Duong Vu, KIT)
Durch exzessive Grundwasserentnahme senkt sich das Land im Mekong-Delta um mehrere Zentimeter pro Jahr ab (Foto: Duong Vu, KIT)
 Landsenkung und Anstieg des Meeresspiegels tragen zu einer erheblichen Erosion im Mekong-Delta bei (Foto: S. Norra, KIT)
Landsenkung und Anstieg des Meeresspiegels tragen zur Erosion im Mekong-Delta bei (Foto: S. Norra, KIT)

Karstkegelformationen mit steilen Hängen und tiefen Tälern prägen den Norden Vietnams – eine für Touristen zunehmend attraktive Landschaft. Für die Wasserversorgung stellen Karstformationen jedoch eine enorme Herausforderung dar: Die Grundwasserleiter verlaufen oft tief unter der Erdoberfläche, Niederschläge versickern rasch in den porösen Untergrund.

„In Karstgebieten wie diesem leidet die Bevölkerung teilweise unter erheblichem Wassermangel. Das liegt nicht immer daran, dass das Wasser tatsächlich knapp ist. Häufig fehlen einfach die technischen und finanziellen Mittel, um die schwer zugänglichen Vorkommen zu erschließen“, sagt Professor Franz Nestmann vom Institut für Wasser und Gewässerentwicklung des KIT und Leiter des vom Bundesforschungsministerium finanzierten Projekts „KaWaTech Solutions“.

Verbundvorhaben „KaWaTech Solutions“: Wasser für die Region Dong Van

Ziel ist, mit auf die Situation speziell angepassten Technologien die Wasserversorgung und -aufbereitung in der Region Dong Van sicherzustellen. Eine Pilotanlage zur Wasserförderung ist zum größten Teil bereits installiert. Ab Mitte 2017 soll sie die Hauptstadt Dong Van City und umliegende Siedlungen versorgen. Im Fokus steht nun verstärkt die Wasserqualität. „Uns geht es auch darum, die Karstwasserressourcen zu schützen, wegen der hohen Durchlässigkeit des Gesteins werden sie leicht verunreinigt“, so Nestmann.

Die geplanten Maßnahmen reichen von Frühwarnsystemen bis zur angepassten Trinkwasseraufbereitung und sollen die Trinkwasserqualität nach dem Standard der Weltgesundheitsorganisation WHO gewährleisten. Darüber hinaus entwickelt KaWaTech Solutions auch Konzepte für die Wassergewinnung und -verteilung im ländlichen Raum, beispielsweise über Photovoltaik angetriebene Pumpsysteme.

In dem Verbundvorhaben, welches das Bundesministerium für Bildung und Forschung bis 2019 mit bis zu 2,5 Millionen Euro fördert, arbeiten mehrere Institute des KIT mit weiteren deutschen und vietnamesischen Partnern aus Wissenschaft und Industrie eng zusammen. Dabei bauen sie auf das 2013 gestartete Projekt „KaWaTech Vietnam“ auf, über das sie auch Kontakte zu den vietnamesischen Behörden geknüpft haben.

Initiative zum Schutz des südlichen Mekong-Deltas

So rückte auch ein weiteres Projektgebiet in Vietnam in den Blick: Das Mekong-Delta im Südwesten des Landes, das fast 40.000 Quadratkilometer umfasst. Mit seinen fruchtbaren Schwemmböden ist es das wichtigste Reisanbaugebiet des Landes und weltweit zählt Vietnam zu den größten Reisexporteuren.

Die Existenz des Deltas ist allerdings bedroht: „Die exzessive Grundwassernutzung führt dazu, dass das Land sich um mehrere Zentimeter pro Jahr absenkt“, erläutert Franz Nestmann. Das führe genauso wie der durch den Klimawandel bedingte Anstieg des Meeresspiegels dazu, dass bereits großflächig Salzwasser in das für die Versorgung der Bevölkerung wichtige Grundwasser gelangt.

Landsenkung und Anstieg des Meeresspiegels tragen letztlich zu einer erheblichen Erosion der Küste bei, also zum Abtragen der vom Mekong abgelagerten feinkörnigen Sedimente. Begünstigt wird die Erosion durch den intensiven Landnutzungswandel, der küstenschützende Vegetationsformen wie Mangroven zerstört.

Künftig soll auch im südlichen Mekong-Delta ein Projekt unter der Federführung des KIT angepasste Technologien entwickeln, wobei es insbesondere um den nachhaltigen Schutz der Grundwasserressourcen und der Küste gehen wird. Derzeit unterstützt das BMBF die Vorbereitung der Maßnahmen, die ab kommendem Jahr in einem weiteren internationalen Verbundvorhaben mit Partnern aus Forschung und Industrie beider Länder umgesetzt werden sollen.


le, 15.12.2016