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Startschuss für das Virtuelle Alpenobservatorium VAO

Neues Kooperationsprogramm zu Umweltbeobachtung und -forschung unter Beteiligung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) - Startschuss am 19. April in der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze

Unter dem Motto "Beobachten – Verstehen – Prognostizieren: Virtuelles Alpenobservatorium (VAO)" steht ein neues Kooperationsprogramm, in dem die großen Observatorien im Alpenraum im Interesse der Umweltbeobachtung und Umweltforschung verstärkt zusammenarbeiten wollen. Am 19. April gibt der bayrische Staatsminister Dr. Marcel Huber in der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS) den Startschuss für dieses Vorhaben.

Heute leben etwa 14 Millionen Menschen im länderübergreifenden Gebiet der Alpen. Verschiedene Interessen etwa aus Naturerhaltung, Industrie, Landwirtschaft, Gesundheitsvorsorge, Tourismus und Verkehr müssen in diesem einzigartigen Gebiet ausgeglichen werden: Neben Aspekten wie etwa der Besiedlungsdynamik, Flächenkonkurrenz oder Lebensqualität nimmt besonders aber ein Faktor beständig an Bedeutung zu: die Auswirkung der globalen Klimaentwicklung auf den Lebens- und Wirtschaftsraum Alpen.

Die Alpen zählen zu den besonders klimasensitiven Regionen in Europa, in denen der Klimawandel seinen Fußabdruck in den verschiedensten Bereichen hinterlassen wird: Der Bogen der möglichen Konsequenzen reicht dabei von Beeinträchtigungen der Gesundheit über Schäden für die Volkswirtschaften bis hin zu Auswirkungen auf die Biosphäre. Eine genaue Prognose der Auswirkungen ist jedoch schwierig, denn die Alpenregion stellt ein besonders komplexes System aus ineinander greifenden und sich wechselseitig beeinflussenden dynamischen Prozessen auf einer weiten raumzeitlichen Skala dar.

Die einzigen Werkzeuge, die zukünftige Entwicklung des Umweltsystems Alpen zu prognostizieren, sind komplexe numerische Computermodelle, die das gegenwärtige Wissen über die Vorgänge in den verschiedenen Bereichen des Alpenraumes in Form mathematischer Gleichungen enthalten. Dabei ist aber klar: Dieses Wissen ist unvollständig. Nachhaltiges und der Zukunft verpflichtetes Management der Umwelt verlangt jedoch belastbare Prognosen auf globalen, kontinentalen und regionalen Skalen. Politik benötigt möglichst fundiertes Handlungswissen, denn einmal getroffene Entscheidungen werden unter Umständen irreversible Spuren hinterlassen, insbesondere im sozioökonomischen Gefüge der Region insgesamt.

Die Erforschung der Grundkenntnisse haben sich die Wissenschaftler in der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf 2.650 Metern auf der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg, als Aufgabe gestellt. Große Fragestellungen benötigen einen forschungsübergreifenden Ansatz. In der UFS forschen nationale Einrichtungen gemeinsam nach dem Modell eines Virtuellen Instituts. Beteiligt sind der Deutsche Wetterdienst, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das HelmholtzZentrum München, die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Karlsruher Institut fürr Technologie (KIT), die Max-Planck-Gesellschaft, die Technische Universität München, das Umweltbundesamt sowie die Universität Augsburg. Die Federführung liegt beim Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.

Der Alpenraum verfügt mit dem Observatorium Sonnblick in Österreich, dem Observatorium Jungfraujoch/Gornergrat in der Schweiz, dem EURAC in Italien, und der UFS in Deutschland über eine Anzahl hervorragender Observatorien und Einrichtungen, die nun zu einem virtuellen Alpenobservatorium miteinander verbunden werden sollen. Weitere Einrichtungen aus Frankreich und aus Slowenien sollen hinzu kommen.

Die UFS hat die Federführung bei diesem ehrgeizigen und visionären Programm. Die beteiligten Einrichtungen stellen jeweils eine auf Nachhaltigkeit angelegte Infrastruktur dar, um das Klimageschehen durch Beobachtung von relevanten Parametern im System Atmo-, Bio-, Hydro- und Kryosphäre sowie möglicher gesundheitlicher Auswirkungen auf verschiedenen raum-zeitlichen Skalen mit höchster Präzision und Detailgenauigkeit beobachten und erfassen zu können. Die genannten Einrichtungen zeichnen sich ferner dadurch aus, dass sie auf eine ständige Interaktion und den Dialog mit den Wissenschaftlern ausgelegt sind. Durch Synergie von Beobachtungskapazitäten einerseits und der wissenschaftlichen Aktivitäten der beteiligten Forschungseinrichtungen andererseits wird das Ergebnis deutlich mehr sein als nur die Summe der Einzelbeiträge der jeweiligen Einrichtungen; eingesetzte Ressourcen für Forschung und Entwicklung werden in ihrer Wirkung potenziert.

Die Realisierung dieses Konzeptes wird schrittweise erreicht. Zunächst soll die Infrastruktur für VAO ausgebaut und dann, in einer zweiten Phase, durch Projekte zwischen den jeweiligen Wissenschaftlern aller beteiligter Länder zur gezielten Beantwortung wissenschaftlicher Fragen ergänzt werden.


del, 19.04.2012