Hagelereignisse in Deutschland: Trends und regionale Unterschiede

Neue Analysen des KIT zeigen regionale Unterschiede bei Hagelzügen und liefern erste Hinweise auf langfristige Entwicklungen
Kleine Hagelkörner auf Grasboden. Susanna Mohr, KIT
Hagelkörner nach einem Unwetter: KIT-Forschende analysieren Radardaten der vergangenen 20 Jahre, um räumliche und zeitliche Trends von Hagelereignissen zu bestimmen.

Hagel gilt als Naturereignis mit hohem Schadenspotenzial. Um langfristige Entwicklungen besser verstehen zu können, haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Radardaten des Deutschen Wetterdienstes der letzten 20 Jahre ausgewertet. Die Untersuchung liefert erstmals Einblicke in mögliche Trends potenzieller Hagelzugbahnen und macht deutlich, wie sich diese räumlich und zeitlich entwickeln. 

Die Analyse zeigt deutliche regionale Unterschiede. Während sich deutschlandweit kein klarer Trend abzeichnet, nimmt die Zahl potenzieller Hagelzüge in Süddeutschland zu. In Nord- und Mitteldeutschland geht sie tendenziell zurück. „Die räumliche Verteilung bestätigt bekannte Muster: einen markanten Unterschied zwischen Norden und Süden sowie eine hohe Hagelhäufigkeit südlich von Stuttgart und in den Bayerischen Voralpen“, sagt Dr. Susanna Mohr vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung Troposphärenforschung (IMKTRO) des KIT. Die meisten Gewitter, die potenziell mit Hagel verbunden sind, dauern weniger als 75 Minuten, sind kürzer als 40 Kilometer und verlaufen von Südwest nach Nordost.

Zudem treten Hagelzüge zeitlich ungleichmäßig auf: Unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen – insbesondere bei blockierten Großwetterlagen – können sich jedoch deutschlandweit mehrere Hageltage in Folge bilden. Solche Episoden dauern selten länger als zwei Wochen, sind für Versicherungsunternehmen jedoch relevant, da sie gehäufte Schäden verursachen. „Unser Analysezeitraum von 20 Jahren ist für endgültige Aussagen noch relativ kurz, aber erste Schätzungen sind möglich“, so Mathis Tonn, ebenfalls vom IMKTRO. Die Ergebnisse seien zwar mit Vorsicht zu interpretieren, könnten aber frühe Hinweise auf Veränderungen der Hagelhäufigkeit liefern.

swi, 08.04.2026